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Conan: Jeweled Thrones of the Earth $10.99 $6.59
Publisher: Modiphius
by Roger L. [Featured Reviewer] Date Added: 09/22/2017 04:31:34

http://www.teilzeithelden.de

Jeder Abenteurer braucht ein Abenteuer, denn woher kommt sonst der Name? Sieben Mysterien Hyborias gibt es zu ergründen, Dutzende Gegner zu überwältigen und noch so viel mehr zu sehen. Kommt mit und lasst uns gemeinsam sehen, wohin wir geführt werden.

Lässt man sich auf ein Spielsystem ein, fallen die ersten Schritte manchmal schwer. Mit Abenteuerbänden kann einem geholfen werden. Sie vermitteln einen Eindruck davon, wie Spielabende aufgezogen werden können, damit das System seine Stärken entfaltet. Ebenso können sich aber Probleme ergeben, wenn Informationen fehlen oder sich Fehler in die Beschreibungen eingeschlichen haben. Mit Jeweled Thrones of the Earth ist der erste Abenteuerband zu Conan – Adventures in an Age Undreamed Of erschienen und wurde von uns genau unter die Lupe genommen.

Inhalt

Für Jeweled Thrones of the Earth wurden sieben einzelne Abenteuer ausgearbeitet, die zu einer gemeinsamen Kampagne verwoben werden können. Jedes Abenteuer kommt mit einer individuellen Geschichte, die gut in die Welt von Conan passt. Man wird in den Dschungel geführt, um eine alte Stadt zu erkunden, von einer Zauberin betrogen oder in den Tiefen einer alten Mine verschüttet. Es gibt umfangreiche Beschreibungen, Karten der Orte und Begebenheiten, Tabellen für Zufallsbegegnungen und viele Hintergrundinformationen. An allen wichtigen Stellen werden Proben und Informationen für Spieler genau beschrieben. Gegner sind mit kurzen Charakterbögen abgedruckt, die dem Spielleiter viel Arbeit und Mühe abnehmen. Für Frischlinge, ob im Conan-System oder generell, sind die Informationen ebenso hilfreich wie für erfahrene Abenteurer. Der Eigenaufwand zur Vorbereitung hält sich im normalen Rahmen, und alle im Grundregelwerk nicht enthaltenen Informationen werden detailliert erklärt. Hilfreich sind auch die Angaben zu Würfelproben, die in verschiedenen Szenen fällig sind. Am Ende befinden sich noch zwölf sogenannte „Adventure Seeds“, die als Grundlage für eigene Abenteuer dienen sollen.

Leider finden sich im ganzen Band einige Rechtschreibfehler, und manche Angaben sind etwas irreführend oder zu allgemein.

Ein separater Bereich für Handouts wäre ebenfalls eine Bereicherung. Die Karten sind wirklich schön, aber meist etwas klein und mit Beschriftungen, die die Spieler nicht alle sofort sehen sollten.

Erscheinungsbild

Das Artwork dieses Abenteuerbandes steht dem Grundregelwerk in nichts nach und führt dessen solide Gestaltung fort. Die Texte sind sinnvoll aufgeteilt und mit vielen Bildern, Karten und Informationskästchen aufgelockert. Es gibt Hintergrundinformationen, die den Spielern optional präsentiert werden können, und Zitate, die eine schöne Stimmung beim Lesen generieren. So kann der Spielleiter den Flair der Geschichte erfassen und an die Gruppe weiterreichen. Insgesamt lesen sich die 142 Seiten flüssig und spannend. Ein Index fehlt leider, ist aber durch das gute Inhaltsverzeichnis und die Querverweise im Text mit Seitenangabe verschmerzbar. Da uns der Band in PDF-Form vorlag, können wir keine Angaben zur Haptik und Qualität des Druckexemplars machen.

Spielbericht

Im folgenden Spielbericht sind Spoiler zum Abenteuer The Caves of the Dero enthalten. Spoilerfrei geht es ab dem nächsten Abschnitt weiter.

[spoiler]Ein Abenteuer lesen ist etwas völlig anderes, als eines zu spielen. Deswegen fand sich eine Testrunde zusammen und hat sich daran gemacht, The Caves of the Dero Probe zu spielen und dabei gleich das 2W20-System von Modiphius auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Gruppe bestand aus einem Barbaren, einer Bogenschützin, einer Schurkin, einem Schamanen und einer Priesterin. In einer Stadt im Land Punt kamen sie zusammen und erfuhren von einem Händler, der eine Karte besaß, die Reichtum versprach. Nach einigen Diskussionen und Taschendiebstählen an unschuldigen Marktbesuchern wurde sich mit dem Händler darauf geeinigt, die Mine auf der alten Karte zu suchen und allen Reichtum mit ihm zu teilen. Die Reisevorbereitungen waren einfach: Man kaufte Proviant, Decken und Zelte sowie einige weitere Utensilien und verlud alles auf Pferde und Esel.

Voller Sorge brach man auf, denn Wegelagerer sollten auf den Pfaden lauern. Doch ungehindert erreichten die Abenteurer wenige Tagesritte später eine Stadt im Süden. Besonders die Säufer der Stadt, welche sich in der Schenke tummelten, werden noch lange davon berichten, wie eine halbnackte Priesterin hereinkam und unangenehme Fragen stellte. Sie verließ kurz darauf entrüstet das Etablissement, nachdem sie von den Trunkenbolden bedrängt worden war. Die schimmernde Präsenz der Weiblichkeit ersetzte ein massiger Nordheimer, der spontan eine Lokalrunde schmiss und selbst gleich ein halbes Dutzend Humpen in seinen Schlund leerte. Diese Ablenkung wurde durch die Schurkin genutzt, um Informationen von den Angetrunkenen zu erhalten, während die Priesterin im Tempel Zuflucht suchte, doch nur einen sturen alten Mann vorfand, der ihr keine Hilfe war. Zusammen mit dem, was der Schamane durch seine ausgesandten Insekten erfahren hatte, konnte die Truppe eine alte Villa als möglichen Standort für die Mine ausmachen.

Die Villa Hybris wirkte düster und unheimlich, die Tiere gingen durch. Im Inneren war sie verfallen und modrig, der Gestank von überreifen Früchten erfüllte die Luft. Es schien, als verginge die Zeit unterschiedlich schnell, wenn sich die Gruppe trennte. In der verbrannten Backstube musste der Barbar Asgrim einigen Dachsparren ausweichen, die herunterfielen. Die Küche war voller Tierspuren, und in dem ehemaligen Speisezimmer kam unter dem Dreck an den Wänden ein kunstvolles Mosaik zum Vorschein, das nach einigen Reparaturarbeiten und etwas Gehirnschmalz eine Karte darstellte, die nur aus einem besonderem Winkel zu lesen war. Sie waren hier richtig, denn die Mine befand sich unter der Villa. Auf der Suche nach dem Zugang fanden sie einen Tümpel im Hof, aus dem ein Schrecken hervorkroch, dessen Bezwingung einiges an Anstrengung erforderte.

Ein Glück, dass auch hier wieder das Dach nachgab, den Gegner an den Boden nagelte und ihnen etwas Zeit verschaffte. Neben dem Tümpel fand sich eine grünspanbedeckte Tür, deren Mechanismus mit besonders zarter Berührung beigekommen werden konnte. Eine völlig neue Erfahrung für die schlagkräftigen Abenteurer. Der Raum dahinter versetzte den Schamanen in Furcht: ein Kreis der Macht! Vorsichtig zog sich die Gruppe zurück, verschloss die Tür und machte sich auf den Weg, die kurz zuvor entdeckte lange Treppe hinunter in die Beengtheit der Mine hinabzusteigen. Lange Stunden schlurften und ächzten sie durch das Labyrinth im Untergrund, bis sie an einer Kreuzung von seltsamen zwergenähnlichen Wesen angegriffen wurden. Blutige Magie und gnadenlose Hiebe töteten die Angreifer, doch der letzte von ihnen löste ein alchemistisches Wunderwerk aus, das Teile des Schachtes einstürzen ließ. Hals über Kopf floh die müde Truppe, bis sie sich in Sicherheit wähnte. Der Weg zurück war versperrt, doch vor ihnen entspann sich eine gigantische Höhle, in der sich ein weißer Turm zwischen den Granitfelsen erhob. Immer wieder beleuchtete ihn grünes Licht aus dem Inneren. Schutt und Geröll waren allgegenwärtig, während sich die fünf Gefährten zum Turm schleichen wollte. Ein falscher Schritt, und es polterte laut genug, um eine Patrouille auf sich aufmerksam zu machen, die in einem schnellen Gemetzel erledigt werden konnte.

Näher am Turm passierte das gleiche Missgeschick nochmal, und die neu gewonnene Selbstsicherheit machte alle unvorsichtig: Ein kräftiger Kampfschrei des Barbaren scheuchte die halbe Höhle auf. So viele Gegner kamen, dass nur noch eine Flucht in den Turm möglich schien. Die Tür verbarrikadierten sie hinter sich und stießen nach oben vor. Ein mit Schmuck behangener Mann, auf dem Kopf eine Krone und in der Hand ein Zepter, stand dort vor einem Kristallsarg. Geleeartige Flüssigkeit blubberte heraus und würgte eine krampfhaft zuckende Person hervor, geschlechtslos und nackt und den Wesen draußen in der Mine und vor dem Turm ähnelnd. In aller Verzweiflung warfen sich die Abenteurer auf den Feind, schlugen ihm einen Arm ab und wurden von immer mehr Feinden bedrängt, ehe ein Pfeil der Bogenschützin dem schwer verletzten Feind den Rest gab. Mit einem lauten Knacken schlug der Kopf des „Overlords“ auf den Steinboden, und im gleichen Moment wurde aus der feindlichen Armee wieder eine undefinierbare Masse aus magischem Gelee, zwischen das sich Blut und Erbrochenes mischte.

Behangen mit Reichtümern und Artefakten kehrten die Schatzsucher an die Oberfläche zurück. Froh, wieder die Sonne auf der Haut zu spüren, ließen sich alle nieder und waren dankbar, lebendig aus der Mine entkommen zu sein. Ob sie ihre Abmachung mit dem Händler einhalten werden, steht in einem anderen Buch.

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Insgesamt wurde das Abenteuer in knapp neun Stunden gespielt und beendet, wobei das Abenteuer an vielen Stellen wesentlich länger inszeniert werden kann.

Spielbarkeit aus Spielleitersicht

Mit wenig Aufwand konnten viele Möglichkeiten und Wege für die Spieler generiert werden. Spontane Proben sind durch die Einfachheit der sechs Schwierigkeitsgrade (D0 bis D5) sehr gut improvisierbar. Da der Abenteuerband nahezu alle Werte der Gegner liefert, musste in dieser Hinsicht nicht viel zusätzlich vorbereitet werden, doch gerade für die erste Runde sind Notizen für alle möglichen Zusatzinformationen ungemein nützlich. Dies betrifft die „Qualities“ der Waffen und Rüstungen, die vielen Möglichkeiten für das Einsetzen von „Momentum“ oder „Fortune“ und die spannenden „Displays of Might and Power“. Schon während dieses einen Abenteuers machte sich aber eine Routine bemerkbar und sowohl die Vorbereitung, als auch das Leiten hat durchgehend Spaß gemacht. Besonders die Spielleiterressource „Doom“ ist dabei eine Freude.

Spielbarkeit aus Spielersicht

Die Spieler befanden die Regeln als grundsätzlich leicht verständlich, trotzdem braucht es seine Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat. Genauer gesagt kann man sofort die Grundlage verstehen, aber das gesamte Potential des Charakters zu entfalten bedarf ein paar Abende, in denen einem dann der Umfang des Systems bewusst wird. Alle Spieler haben sich schnell an das Element Momentum gewöhnt und es rege eingesetzt. So kam es auch zu Absprachen, bei denen sie sich gegenseitig den Ball zugespielt haben, was eine tolle Dynamik am Spieltisch mit sich brachte. Die Schurkin schoss zum Beispiel auf einen Gegner und warf ihr überzähliges Momentum in den Gruppenpool, statt damit ihren Schaden zu erhöhen, damit der Barbar, der in erster Reihe gerade ordentlich austeilte, zusätzliche Würfel bekam. Fortune wurde meistens für zwei Extraerfolge ausgegeben, aber auch der Dachbalken, der im ersten Kampf so hilfreich herunterfiel und den Gegner festsetzte, wurde durch Fortune bewerkstelligt und war eine großartige Aktion. Die fünf Charaktere waren alle grundlegend unterschiedlich, und jeder konnte seine Schwächen und Stärken während des Abenteuers erleben.

Wenn gewürfelt wurde, dann immer aus gutem Grund, und vieles konnte auch ohne Wurf geregelt werden. Die Schadenswürfe sorgten für aufgeregte Diskussionen, denn mehr als einmal kam es vor, dass mit vielen Würfeln sehr wenig Schaden verursacht wurde. Auf den sechsseitigen Schadenswürfeln verursachen die Augen drei und vier keinen Schaden. Statistisch gesehen sind also ein Drittel aller geworfenen Schadenswürfel wirkungslos. Das führt zu der relativ ernüchternden Wahrheit, dass trotz neun oder mehr Würfeln manchmal nur zwei Schadenspunkte verursacht werden, die dann vielleicht noch nicht einmal dir Rüstung durchdringen. Hier war man sich einig, dass eine Hausregel vielleicht angebracht wäre.

[quote]Sehr gutes, komplexes System, welches viel Übung benötigt und viele Freiheiten erlaubt.“ [quote]- Felix

[quote]„Die Spielmechanik ist einfach und leicht zu verstehen.“ [quote] - Kathrin

Bonus/Downloadcontent

Seit Erscheinen des Grundregelwerkes ist weiterer Downloadcontent erschienen.

Inzwischen gibt es digital ausfüllbare Charakterbögen. Dabei sind der Standardbogen und eine vereinfachte Form zu erhalten.

Zum Free RPG Day 2017 wurde ein kleines Abenteuer mit vorgefertigten Charakteren veröffentlicht.

Fazit

Im Abenteuerband Jeweled Thrones of the Earth wird man an ganz verschiedene Orte in Hyboria geführt und bekommt einen Eindruck davon, welche Gefahren dort warten. Jede der sieben Episoden ist ausführlich und umfassend beschrieben und enthält Bilder und Tabellen zur Veranschaulichung. Die Vorbereitung macht Spaß, und sie sind gut spielbar. Lediglich kleinere Rechtschreibfehler, und das Fehlen separater Handouts ist zu bemängeln. Sollten sich die ausgearbeiteten Abenteuer erschöpft haben, geben ein Dutzend Ansätze Ideen für weitere Handlungsstränge.

Die Gestaltung ist durchweg ansehnlich und reizvoll, gleichzeitig aber auch übersichtlich. Für 10,99 USD bekommt man ein solides Machwerk, das Spaß macht und dessen Anschaffung sich durchaus lohnt. Durch den ausführlichen Test des Systems hat sich auch die Wertung für Conan – Adventures in an Age Undreamed Of gehoben.



Rating:
[5 of 5 Stars!]
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