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Lords and Lands: a Witcher TRPG Expansion
[978-1-950911-00-4]
$8.00
Publisher: R. Talsorian Games Inc.
by Roger L. [Featured Reviewer] Date Added: 09/16/2019 06:17:54

https-
://www.teilzeithelden.de/2019/09/09/rezension-lords-and-lands-a-witcher-trpg-expansion-cody-pondsmith/

Ein Jahr nach Erscheinen des Grundregelwerks veröffentlicht Talsorian Games die erste Erweiterung zum Hexer-Rollenspiel: Lords and Lands enthält neben einem Spielleiterschirm auch ein Regelheft, in dem der Name Programm ist: Der Adel und seine Ländereien kommen ins Spiel – außerdem Halblinge als neue Charakter-Option, ein NPC-Baukasten und neue Ausrüstung.

Am 29. Juli erschien das Grundregelwerk zu The Witcher Tabletop RPG aus dem Hause R. Talsorian Games und CD Projekt Red. Ein Jahr später, pünktlich zur diesjährigen GenCon in Indianapolis, hat R. Talsorian Games die erste Erweiterung zu seinem offiziellen Hexer-Rollenspiel herausgebracht. Die PDF-Version erschien am 1. August auf DriveThruRPG.com. Das Erweiterungspaket Lords and Lands ist das erste von mehreren angekündigten Erweiterungen und enthält einen Spielleiterschirm sowie ein Booklet mit neuen Spielinhalten: Eine Heldenklasse, eine spielbare Spezies, ein System zur Erschaffung von Alltags-NPC, ein Regelsystem zur Verwaltung von Ländereien und ein Kapitel mit Ausrüstung. Autor ist The Witcher TRPG-Chefentwickler Cody Pondsmith.

Inhaltsverzeichnis [zeigen]

Inhalt Der Spielleiterschirm Der vierteilige Spielleiterschirm entspricht weitgehend der Norm: außen bebildert, auf der Innenseite mit Tabellen für die wichtigsten spielrelevanten Regeln und Informationen bedruckt. Die Tabellen sind thematisch nach Farben sortiert, ihre Anordnung wirkt aber ziemlich willkürlich – zusammengehörige Regeln sind unzusammenhängend über den Schirm verteilt. Leider sind bei den Tabellen keine Seitenverweise zum Grundregelwerk angegeben.

Geht man davon aus, dass ein Spielleiterschirm vor allem das enthalten sollte, was man braucht, wenn es schnell gehen muss, erscheint die inhaltliche Auswahl mancher Tabellen befremdlich – genauso wie das Fehlen von einigen anderen. So haben es beispielsweise die recht wichtigen Regeln zu Wortgefechten („verbal combat“) nicht auf den Schirm geschafft, dafür aber beispielsweise allgemeine Tipps zum Spielleiten, die eher nicht spontan zum Einsatz kommen werden.

Davon abgesehen stellt sich auch die Frage, ob wirklich auf jeder der vier Innenseiten des Schirms eine größere Illustration hätte eingebaut werden müssen. Natürlich sind Dekoration und Ambiente am Tisch auch für den SL wichtig – hier allerdings wird dann doch viel Platz verschenkt, auf dem man noch die eine oder andere hilfreiche Spielregel hätte unterbringen können. Das ist vor allem ärgerlich, wenn man bedenkt, dass es in diesem Bereich zum Witcher-RPG längst brauchbare und gut strukturierte Fan-Produkte im Internet gibt, beispielsweise diese Spielleiterschirm-Einlage auf GM-Binder.

Das Booklet Das beigelegte Heft zum Spielleiterschirm enthält die eigentliche Erweiterung, in der es um die namensgebenden Lords und Lands geht. Das Cover ziert, thematisch passend, ein Bild von Königin Meve von Lyrien und Rivien, bekannt aus dem Videospiel Thronebreaker: A Witcher Tale.

In aller Knappheit: Allerwelts-NSC Das erste Kapitel widmet sich auf vier Seiten der Erschaffung von Allerwelts-NPC für die eigene Witcher-Kampagne. Dazu wird im Grunde das normale Charaktererschaffungs-System aus dem Grundregelwerk verwendet, allerdings mit stark eingeschränkten Optionen und deutlich weniger Punkten. Die Anleitung zur Erstellung solcher Charaktere beansprucht mit reichlich Fülltext eine Seite, weitere drei Seiten liefern insgesamt sechs beispielhaft ausgearbeitete Allerwelts-NPC, darunter Handwerker, Gelehrte und Künstler. Wer hier spielfertige Kontrahenten für seine Gruppe, wie etwa Stadtwachen oder Ähnliches, erwartet hat, wird enttäuscht.

Kurz und gut: Halblinge Eine weitere Buchseite beschäftigt sich mit der neuen spielbaren Spezies, den Halblingen, und liefert eine allgemeine Beschreibung, die spielmechanischen Eigenschaften, einen Einblick in die Halbling-Gesellschaft und als Ergänzung ein paar Tipps zum Lebenslauf-Modul für Halbling-Charaktere sowie eine Übersicht zum sozialen Status der Halblinge in verschiedenen Ländern. Das Ganze ist kompakt und übersichtlich, wie bei den anderen Spezies im Grundregelwerk, und liefert alle wesentlichen Informationen. Im Spiel bieten die Halblinge mit ihrer angeborenen Magieresistenz sicherlich einige neue und reizvolle Möglichkeiten. Dass allerdings die komplette vorausgehende Seite für eine nichtssagende Füll-Illustration verwendet wird, der Halbling dafür aber ohne Bebilderung auskommt, ist nur schwer nachvollziehbar.

Skilltree der neuen Charakterklasse Adel verpflichtet: Die neue Charakterklasse Mit dem Noble, also dem Adligen, bringt Talsorian eine neue spielbare Charakterklasse an den Start – komplett mit eigener Klassen-Fähigkeit und Spezialfertigkeiten-Baum. Spielmechanisch macht der Adlige einen Spagat zwischen sozialen und kämpferischen Eigenschaften: Als Dilettant wird er zum Alleskönner und außerdem zum geschickten Blender. Als Ritter ist er im berittenen Kampf besonders gefährlich, kann seine Gruppe moralisch unterstützen und seine Rüstung aktiv einsetzen, um Schaden zu negieren. Als Anführer schließlich kann der Adlige Kommandos geben und so Verbündete unterstützen. Er kann sich außerdem ein Gefolge aus NPC-Dienern aufbauen und am Ende sogar sein eigenes Anwesen verschaffen.

Kurztrip in die Immobilienwelt Witcher-Fans kennen die Erweiterung Blood&Wine zu The Witcher 3, in der Geralt sein eigenes kleines Weingut nach seinen Vorlieben gestalten kann. Ganz in diesem Sinne funktioniert auch das Anwesen-System von Lords and Lands. Als Spielercharakter würde Geralt dabei aber in die Röhre gucken, denn Estate ist eine exklusive Fähigkeit der neuen Adligen-Klasse und steht anderen Charakterklassen nicht zur Verfügung.

Aber auch für einen frisch erstellten Adligen-Charakter bleibt die eigene Burg mit ausgedehnten Ländereien, einer großen Anzahl Gefolgsleute und Einkünften, die einen adligen Lebensstil tragen würden, ein Luftschloss – selbst voll aufgewertet verschafft die Estate-Fertigkeit ihrem Besitzer bestenfalls ein mittelgroßes Landgut. Das zugehörige Ausbau-System umfasst eine Buchseite und ermöglicht dem Adligen, sein Anwesen um bestimmte Gebäude, spezielles Personal oder andere Ausstattung zu erweitern, die jeweils mit wenigen Sätzen beschrieben werden – beispielsweise eine Folterkammer, ein Arzt, ein Gewächshaus oder Werkstätten. Ist der Adlige daheim, kann er diese Einrichtungen nutzen – auf Reisen fern der Heimat hingegen hat er aber nichts davon. Das Anwesen erwirtschaftet für den Adligen außerdem kein Geld und er kann sein Gefolge (das ohnehin nur aus Allerwelts-NPC besteht) auch nicht ohne weiteres für Unternehmungen außerhalb seiner Ländereien einsetzen.

Durch alle diese Limitierungen stellt die Anwesen-Option insgesamt kaum mehr als ein nettes Gimmick dar und wird wohl in den meisten etablierten Gruppen ungenutzt bleiben – sofern der Spielleiter die Option nicht per Hausregel auch anderen Klassen verfügbar machen will.

Ausrüstungs-Update: Dies und das Die letzten beiden Seiten des Booklets enthalten das zweite Ausrüstungs-Update der Reihe Rodolf‘s Wagon – die erste Ausgabe gibt es auf der Homepage von R. Talsorian Games. Das bunt gemischte Sammelsurium an neuer Ausrüstung umfasst fünf eher exotische Waffen, vier alchemistische Rezepturen und acht ganz verschiedene allgemeine Ausrüstungsgegenstände, darunter gefälschte Münzen, Vergoldung für Ausrüstungsgegenstände und eine Pestmaske. Alles in allem eine ziemlich willkürlich zusammengewürfelt wirkende Auswahl von „nice to haves“ und nichts, was den meisten Gruppen sonderlich gefehlt haben dürfte.

Erscheinungsbild Der Gesamtumfang von Lords and Lands ist nicht üppig. Im Paket enthalten sind der Spielleiterschirm mit vier Paneelen im A4-Format und das Booklet mit 16 Seiten – von denen nach Abzug von Deckblatt, Impressum, Index, zwei ganzseitigen Innenillustrationen und dem Rückencover aber nur 10 Seiten tatsächlicher Inhalt übrig bleiben. Da wir zur Rezension die digitale Download-Version der Erweiterung benutzt haben, können wir über die Qualität des gedruckten Produkts leider keine Aussagen machen.

Was die Gestaltung betrifft, ist der Spielleiterschirm dekorativ gemacht. Er ist von beiden Seiten vollfarbig gestaltet, auf der den Spielern am Tisch zugewandten Außenseite werden vierzehn bunte Artworks aus dem Witcher-Videospiel-Franchise gezeigt. Die Bilder sind durchgängig von guter Qualität. Dazu kommt das Booklet, ebenfalls im A4-Format und in Vollfarbe. Layout und Bebilderungen entsprechen dem Grundregelwerk und wirken professionell – auch hier wurden durchgängig farbige und hochwertige Concept Arts und Illustrationen aus den Witcher– und Gwent-Videospielen verwendet – darunter allerdings auch einige, die man schon aus dem Grundregelwerk kennt. Größere Fehler in Text und Layout sind keine aufgefallen.

Fazit Lords and Lands kann sich irgendwie nicht recht entscheiden, ob es nun lieber Fisch oder Fleisch sein möchte. Der Spielleiterschirm ohne das Booklet hätte kaum den Namen Erweiterung verdient, aber für eine ernstzunehmende Erweiterung ist das Booklet einfach zu dünn. Viele Inhalte sind so knapp und oberflächlich angerissen, dass ein nennenswerter Zugewinn am Spieltisch fraglich ist. Das Ländereien-System ist nur für eine sehr kleine Zielgruppe relevant und auch der neue NSC-Generator ist zwar nett, aber absolut nichts, was ein findiger Spielleiter sich nicht auch selbst schnell zusammenbasteln könnte. Immerhin, mit den Halblingen und Adligen wird das Angebot an spielbaren Charakterkonzepten etwas vielfältiger und auch über ein paar Ausrüstungs-Optionen dürften sich einige Spieler und Spielleiter freuen.

Beim Kosten-Nutzen-Verhältnis macht Lords and Lands leider keine gute Figur. Mit 25 US-Dollar ist der Preis, verglichen mit dem mehr als 300-seitigen Witcher TRPG-Grundregelwerk für 25 (als PDF) beziehungsweise 50 (gedruckt) US-Dollar ziemlich happig. Was die Druckversion angeht, lässt sich der Preis vielleicht noch durch die Produktionskosten rechtfertigen – bei der digitalen Ausgabe ist das freilich kein Argument. Letztere gibt es momentan zwar zum halben Preis – wie lange diese Aktion dauern soll, ist aber unbekannt.

Insgesamt ist Lords and Lands deshalb eher ein Produkt für Sammler und diejenigen Spieler, die unbedingt alle offiziellen Regelwerks-Optionen zur Verfügung haben wollen. Natürlich kommen Hardcore-Halbling-Fans und alle, die unbedingt schon mal einen aufgeblasenen Chevaliér aus Toussaint spielen wollten, kaum um die Erweiterung herum. Alle anderen werden, wenn sie beim Grundregelwerk bleiben, allerdings kaum etwas verpassen. Entsprechend mittelmäßig fällt deshalb auch unsere Wertung aus.



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